Haut- Faszination

Categories: Akt, Studiofotografie
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Published on: 18. April 2012
Diskuswerfer – Griechenland

Besucht man die großen Kunstsammlungen der Welt, so fällt schnell auf, dass der unbekleidete menschliche Körper durch die Jahrtausende Künstler aller Kontinente inspirierte. Auch die Fotografie hat den Körper seit den ersten Anfängen als bevorzugtes Motiv adoptiert.

Zustimmung und Ablehnung der Darstellung von Nacktheit haben sich in Zyklen abgelöst: Im antiken Griechenland wurden Männer in idealisierter Nacktheit in Stein gehauen, während Frauen meist bekleidet gezeigt wurden. Die Römer haben diesen Brauch übernommen.

In der zweidimensionalen Kunst des Mittelalters war Nacktheit verpönt.

Als in Italien die Zeit der Renaissance anbrach, wurde der unbekleidete Körper intensiv und plastisch dargestellt. Selbst in den Vatikanischen Museen und der Sixtinischen Kapelle ist Nacktheit umfangreich vertreten. Die Künstler der Renaissance betrieben intensive anatomische Studien, um das Relief der Muskulatur und die Körperproportionen zu erforschen.

Daguerrotypie

Bis in die Neuzeit hat der ständige Wechsel von Zustimmung und Ablehnung der Darstellung unbekleideter Körper Methode. Als Louis Daguerre seine ersten Versuche mit Fotografie unternahm, wurde auch sofort der menschliche Körper als Motiv entdeckt.

Nach der körperbetonten Charleston- Zeit wurde in der Folge des zweiten Weltkriegs die Nacktheit verpönt – bis Ende der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts wieder eine Hinwendung zur Nacktheit einsetzte.

Heute geht man ungezwungen und frei von Ängsten mit der Darstellung des Körpers um. Man „traut“ sich, die Schönheit ohne Kleidung zu zeigen und auch fotografisch zu dokumentieren – für den Privatgebrauch, aber auch öffentlich.

Vor einigen Jahren bat mich eine junge Frau, sie nackt zu fotografieren. Als Begründung hab sie an: „Ich weiß, dass ich jetzt toll aussehe, dass sich dies aber ändern wird. Deshalb möchte ich jetzt gute Fotos von mir haben, die ich mir dann später anschauen kann.“ Waren in den vergangenen Jahrzehnten eher Frauen bereit, alle Hüllen fallen zu lassen, haben mit der Fitnesswelle auch die Männer gelernt, ihren Körper zu lieben und stolz zu zeigen.

Einen besonderen Reiz hat die unbekleidete Darstellung von (echten) Paaren. Ihre Interaktion vor der Kamera ist stark von Emotionen bestimmt, die so entstandenen Bilder dokumentieren Liebe und Zuneigung. Professionelle Fotos halten diese Phasen des Lebens fest.

Gibt es eine Altersgrenze für die Darstellung des nackten Körpers?

Nein! Jede Altersstufe hat ihre eigenen Vor- und Nachteile. Mag der Körper eines 18-jährigen Menschen am ehesten dem Ideal makellöser Schönheit entsprechen, so ist in diesem Alter meist das Ausdrucksspektrum durch Mimik und Körperhaltung begrenzt. Erst mit zunehmender Akzeptanz des eigenen Körpers wird man frei – Körper und Körpersprache bilden eine Einheit und gleichen so die irgendwann nicht mehr komplett glatte Anmutung aus. Schönheit ist keine Frage des Geburtsdatums – selbst im Seniorenalter sind ansprechende Aktaufnahmen leicht möglich. Es ist Aufgabe des Fotografen, mit Lichtsetzung, Pose und zum Beispiel dem Einsatz halbtransparenter Tücher die optimalen Voraussetzungen zu schaffen.

Für jedes Alter gilt, dass die Atmosphäre im Studio stimmen muss: Ein angenehmes Ambiente, Wohlfühl- Temperatur und – in diesem Fall besonders wichtig – ein ausführliches Vorgespräch über den Ablauf der Fotosession. Nur so erhält man Fotos, die man auch nach Jahren noch gerne betrachtet, vorzeigt oder an die Wand hängt.

 

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